Es stellt sich die grundsätzliche Frage: Was ist "Bremsen"? Wovor sollen die Bremslichter warnen?
Gehen wir einmal von einem normalen Fahrzeug ohne Rekuperation aus. Nach allgemeinem Verständnis sollen Bremsleuchten doch davor warnen, dass ein vor mir fahrendes Fahrzeug die Geschwindigkeit stärker verringert als nur ausrollen lassen oder als nur die Bremswirkung des Motors zu nutzen, also mittels Bedienung der Bremsanlage, und ich als nachfolgenden Fahrer dies schnell erkenne und entsprechend reagieren kann.
Wenn ein Fahrzeug mit konstanter Geschwindigkeit fährt, z. B. auf der Autobahn oder Landstraße, dann sind (natürlich) keine Bremslichter an. Fahre ich aber einen steilen Berg hinab, könnte es jedoch sein, dass ich die Bremse betätigen muss, obwohl ich weiter mit konstanter Geschwindigkeit fahre, also garnicht verzögern will, damit das Auto nicht schneller wird. Und dann sind, weil ich ja auf dem Bremspedal stehe, natürlich die Bremsleuchten an, trotz gleichbleibender Geschwindigkeit, obwohl eigentlich keine Gefahr eines Auffahrunfalls wegen Reduzierung der Geschwindigkeit besteht.
Im LKW- und Bus-Bereich ist man, was das anbetrifft, schon seit Jahrzehnten einen Schritt weiter: dort gibt es schon seit vielen Jahren sogenannte "Retarder", das sind verschleißfreie Zusatzbremsen zusätzlich zur normalen Radbremsanlage. Diese Retarder sind so steuerbar, dass sie entweder die aktuelle Geschwindigkeit (z. B. bei Bergabfahrt) konstanthalten, das Fahrzeug also nicht schneller wird ("Konstant-Stufe"), egal wie groß die dafür erforderliche, automatisch geregelte Bremskraft ist, oder aber in verschiedenen, manuell wählbaren Stufen eine definierte Bremsleistung einsteuern können.
Bei diesen Zusatzbremsen wird das Bremslicht in der Konstant-Stufe zum Halten der Geschwindigkeit nie angehen, weil das Fahrzeug die Geschwindigkeit ja nie verlangsamt, sondern diese immer gleich bleibt. Und je nach Hersteller wird auch in der ersten oder in den ersten beiden manuell wählbaren Bremsstufen das Bremslicht ebenfalls nicht zugeschaltet, weil die Bremskraft und damit die Reduzierung der Geschwindigkeit noch relativ gering ist. Erst in den weiteren Stufen mit höherer Bremsleistung wird das Bremslicht dann zugeschaltet.
So kann es also sein, dass ein LKW einen steilen Berg hinunter fährt, eigentlich auch sehr stark bremsen müsste, der Retarder dafür vielleicht auch eine sehr hohe Bremsleistung aufbringen muss, der Fahrer aber in der Konstantstufe fährt, und die Bremsleuchten nicht aufleuchten, weil die Geschwindigkeit sich ja nicht reduziert.
Die Frage, wann die Bremsleuchten zuschalten (müssen), ist zumindest für den Nutzfahrzeug-Bereich für Retarder in irgendeinem Passus der StVZO geregelt. Ob dieser Passus auf eine bestimmte Mindest-Bremsleistung abzielt oder aber auf eine sogenannte negative Beschleunigung, also eine Verringerung der Geschwindigkeit in einer bestimmten Größenordnung, ab welcher Bremsleuchten dann aufleuchten müssen, weiß ich nicht, da muss ich mich schlau machen.
Übertragen auf den Kuga stellt sich die Frage: Bremst das Fahrzeug bei Benutzung der L-Taste so stark ab, dass die Geschwindigkeit verzögert wird? Stark verzögert wird? Mehr als bei der Bremswirkung des eines Benzin- oder Dieselmotors z. B. im 2. Gang bei Schaltgetriebe? Dann sollten natürlich die Bremsleuchten angehen. Wenn die Reduzierung der Geschwindigkeit aber nur vergleichsweise gering ist, dann müssen, dem oben beschriebenen Beispiel des LKW folgend, auch keine Bremslichter aufleuchten.
Und nun kommen die derzeitigen PHEV-Fahrer ins Spiel: Wie stark ist denn nun die L-Bremsleistung? Komme ich von 50 km/h ausgehend vor der Ampel zum Stehen? Wie sind denn die Erfahrungswerte?